13/05/26

Hochseeschlepper Elbe: Von Hamburg in den Nordseesturm

Wenige Stunden, bevor dieses Foto von Hochseeschlepper Elbe im Sturm auf der Nordsee entstand, saßen wir mit einem Kaffee ein Deck. Wir genoßen die Auslaufparade des Hamburger Hafengeburtstags. Als das historische Schiff zurück in den Heimathafen Rotterdam fuhr, erwischte es ein Sturm. Und der niederländische Fotograf Herman IJsseling, bekannt durch das Buch "Starkwindgefahr". Hier erzählen wir die Geschichte eines Zufalls.
Hochseeschlepper Elbe im Sturm

Als wir dieses Foto des Hochseeschleppers "Elbe" in den Sozialen Medien entdeckten, riefen wir sofort den Fotografen IJseeling sofort an. Wir sind Fans seines Buches "Starkwindgefahr", das wir als erstes Buch "ohne Ankerherz" in unseren Shop vom Meer aufnahmen.

Hochseeschlepper Elbe im Sturm

"Der Kapitän hatte das Schiff in die Wellen gedreht. Es kam nur wenigen Knoten Geschwindigkeit voran", erzählte er. "Einige an Bord waren wohl ziemlich seekrank".

Welch ein Kontrast zu unserem Besuch während des Hamburger Hafengeburtstags! Von Deck aus beobachteten wir die Auslaufparade der Schiffe auf der Elbe. Bis auf Höhe von Blankenese begleiteten wir den Großsegler "Statsraad Lehmkuhl" aus Norwegen. Es war ein wundervoller Nachmittag auf dem Fluß.

Hier möchten wir Euch den Hochseeschlepper Elbe vorstellen. Denn es gibt Schiffe, die ein Leben führen. Und dann gibt es die Elbe – ein Schiff, das mehrere Leben geführt hat: Als stärkster Hochseeschlepper seiner Zeit, als Lotsenversetzschiff in Baltimore, als Aktionsschiff von Greenpeace, als Wrack auf dem Meeresgrund, und heute als lebendes Museumsschiff, das sich noch immer durch Stürme kämpft, wie man sieht.

Am 24. Februar 1959 stellte die Smit Internationale aus Rotterdam den 58 Meter langen und 11 Meter breiten Hochseeschlepper in Dienst. Der Name war Programm – und ein Gruß an die großen deutschen Häfen, mit denen man bald enge Geschäfte machen würde.

Der stärkste Schlepper der Welt

Der erste Auftrag klingt nach einem ruhigen Einstand: Kapitän A. Poot schleppt das Passagierschiff Victoria zehn Stunden lang von Vlissingen nach Rotterdam. Doch was folgt, macht die Elbe weltberühmt. Nach ihrer ersten Generalüberholung 1963 übertrifft sie alle Konkurrenten – sie galt zeitweilig als der stärkste Schlepper der Welt.

Ihre Aufträge führen sie in auf viele Meere. Vom Atlantik bis in den Pazifik. Von den Azoren nach Hamburg, wo sie einen deutschen Tanker mit gebrochener Kurbelwelle ins Trockendock zieht. Bis nach Japan – eine Reise, die von September 1970 bis Februar 1971 dauert. Die Elbe ist nicht zart. Sie ist für das gebaut, was andere nicht schaffen.

Lotse, Umweltschützer, Wrack

1976 ist ihre Ära vorbei. Stärkere, modernere Schiffe übernehmen. Smit Internationale verkauft die Elbe an die Lotsenvereinigung von Baltimore – sie wird unter dem Namen Maryland vor der US-Ostküste als Lotsenversetzschiff eingesetzt. Ein würdevoller, aber vergleichsweise unspektakulärer Lebensabschnitt beginnt.

Das nächste Kapitel ist umso abenteuerlicher. Greenpeace kauft das Schiff - und fährt damit unter anderem zum Mururoa-Atoll im Südpazifik, wo Frankreich Atomtests durchführt. Eine ganze Flotte von Protestschiffen versucht, die Lagune zu besetzen. Französische Spezialkommandos gehen an Bord, die Besatzung wird abgeführt, das Schiff festgesetzt. Chirac beugt dem internationalen Druck und sagt schließlich die letzten beiden von acht geplanten Tests ab. Auch das hat die Elbe erlebt.

Leben nach dem Tod

2002 schenkt Greenpeace das Schiff dem Hafenmuseum Rotterdam. Eine aufwändige Restaurierung beginnt – 60 Ehrenamtliche schuften jahrelang, um den Schlepper in seinen Originalzustand zurückzuversetzen. Dann trifft das Schicksal zu: Ein Schwergutfrachter reißt sich von seinen Leinen und rammt die Elbe. Der Schlepper sinkt. Wird geborgen. Und sinkt durch Sabotage ein zweites Mal.

Man könnte meinen, das sei das Ende. Aber nicht für die Elbe. 2005 kehrt sie nach Maassluis zurück, dem ursprünglichen Heimathafen. 2009 bekommt der Rumpf im Trockendock seinen originalen Anstrich zurück. 2012 fährt sie zum ersten Mal seit dem Unfall wieder eigenständig. 2014 schließlich: erste Passagierfahrt, erste Auslandsreise als restauriertes Schiff – Hafengeburtstag Hamburg. 

Das letzte Schiff seiner Art

Die Elbe ist kein Ausstellungsstück, das nur im Hafenbecken liegt. Sie ist das einzige noch seetüchtige Schiff ihrer Bauart weltweit – und sie fährt. Regelmäßig kommt sie nach Hamburg, nimmt bis zu 80 Tagesgäste mit auf den Fluss, zeigt Schleppervorführungen und lässt Besucher in den Maschinenraum, der im Originalzustand erhalten ist.

Wer an Deck steht, wenn die Elbe ausfährt, steht auf einem Stück echter Seefahrtsgeschichte: 1959 gebaut, an den Azoren und in Japan bewährt, am Atomtest-Atoll gewesen, zweimal gesunken, zweimal geborgen – und immer noch da.

Das ist keine Romantisierung. Das ist schlicht eine unwahrscheinliche Geschichte, die sich tatsächlich zugetragen hat. Und das nächste Kapitel? Steht noch nicht fest. Aber im Falle der Elbe sollte man nie sagen, es gibt keines mehr...

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