10/04/26

Royal Navy verfolgt russisches Spionageschiff im Nordatlantik

Großbritannien hat über mehrere Wochen hinweg russische U-Boote und ein Spionageschiff im Nordatlantik verfolgt. Verteidigungsminister John Healey erklärte, die Schiffe hätten sich zeitweise in der ausschließlichen Wirtschaftszone des Vereinigten Königreichs aufgehalten und seien inzwischen nach Norden abgezogen. Hinweise auf Schäden an Unterwasserkabeln oder Pipelines gebe es nicht.
Royal Navy verfolgt russisches Spionageschiff im Nordatlantik

Es sind Beschreibungen wie aus einem Spionage-Thriller von Tom Clancy: Nach Darstellung des britischen Verteidigungsministeriums waren an der Operation ein Angriffs-U-Boot der Akula-Klasse sowie zwei Spezial-U-Boote beteiligt, die der russischen Hauptverwaltung für Tiefseeforschung (GUGI) zugeordnet werden. Diese Einheiten gelten als besonders gut geeignet für Einsätze am Meeresboden, etwa zur Untersuchung oder Manipulation kritischer Infrastruktur.

Die britischen Streitkräfte überwachten die Aktivitäten nach eigenen Angaben gemeinsam mit Verbündeten, darunter Norwegen, über einen Zeitraum von rund einem Monat „rund um die Uhr“. Zum Einsatz kamen unter anderem eine Fregatte der Royal Navy, Seefernaufklärer vom Typ P-8 sowie akustische Sensoren (Sonarbojen), mit denen U-Boote geortet und verfolgt werden können. Insgesamt sollen mehrere hundert Soldaten an der Operation beteiligt gewesen sein.

"Wir sehen Euch."

Verteidigungsminister Healey machte die Operation bewusst öffentlich und richtete eine klare Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin: Man habe die Aktivitäten erkannt und beobachtet. „Wir sehen euch. Wir sehen eure Aktivitäten über unseren Kabeln und Pipelines“, sagte der Minister. Jeder Versuch, diese Infrastruktur zu beschädigen, werde nicht toleriert und hätte „schwerwiegende Konsequenzen“.

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Nach britischer Einschätzung sind Unterwasserkabel und Pipelines ein zentrales Ziel. Sie sind für die Versorgung und Kommunikation des Landes von grundlegender Bedeutung: Ein Großteil der Gasversorgung erfolgt über Pipelines am Meeresboden, während rund 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs über Glasfaserkabel unter Wasser abgewickelt werden.

Russen suchen nach Schwachstellen

Die beobachteten russischen Einheiten hielten sich laut Regierung nicht innerhalb der britischen Hoheitsgewässer (bis zwölf Seemeilen vor der Küste) auf, sondern in der weiter gefassten Wirtschaftszone. Gleichwohl bewertet London die Präsenz als sicherheitspolitisch relevant. Healey zufolge könnte ein Teil der Operation darauf abgezielt haben, Unterwasserinfrastruktur zu vermessen und mögliche Schwachstellen zu identifizieren.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 ist die Sorge vor Sabotageakten gegen kritische Infrastruktur in Europa gestiegen. In der Ostsee kam es wiederholt zu Schäden an Kabeln und Pipelines, deren Ursachen teils ungeklärt sind. Westliche Staaten vermuten hinter einzelnen Vorfällen gezielte Störaktionen. Russland weist die Vorwürfe zurück.

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