11/05/26

Seglerin aus fünf Meter hohen Wellen vor Orkney gerettet

Es ist kurz nach ein Uhr morgens, als im schottischen Kirkwall der Alarm klingelt. Die Küstenwacht hat einen Notruf erhalten: Eine Seglerin ist weit draußen auf See, erschöpft, allein. Sie braucht dringend Hilfe.
Seglerin aus fünf Meter hohen Wellen vor Orkney gerettet

Kirkwall ist die Hauptstadt der Orkney-Inseln, einer Inselgruppe im äußersten Norden Schottlands, wo der Atlantik und die Nordsee aufeinandertreffen. Das Meer hier ist rau, die Bedingungen selbst im Sommer unberechenbar. In dieser Nacht auf den 7. war es besonders brutal: Seegang zwischen vier und fünf Metern, Regen, Dunkelheit.

Drama auf der Nordsee

Sieben ehrenamtliche Crew-Mitglieder der RNLI-Station Kirkwall – Steerer, Navigator, Mechaniker und vier Mannschaftsmitglieder – liefen sofort mit dem Seenotrettungskreuzer Roger and Joy Freeman aus. Um 2:40 Uhr morgens erreichten sie die Seglerin – 44 Seemeilen östlich von Orkney, das entspricht rund 80 Kilometern vor der Küste. Also mitten auf der Nordsee.

RNLI Lerwick

Crew-Mitglied Graeme Spence gelingt es in einem waghalsigen Manöver, auf das Segelboot der Frau überzusteigen, um ihren Zustand einzuschätzen. Die Entscheidung fällt schnell: Sie ist zu erschöpft zum Umstiegen.

Das Sicherste ist, das Segelboot ins Schlepptau zu nehmen – und genau das geschieht. Spence bleibt für die gesamte Dauer des Einsatzes an Bord bei der Frau. Stunde um Stunde harrt er mit ihr auf dem starr rollenden Segelboot aus und macht ihr Mut.

Gegen 8:39 Uhr morgens wird das Segelboot in der Kirkwall Marina festgemacht. Nach fast sieben Stunden auf See ist die Frau in Sicherheit. Was die Seenotretter geleistet haben in diesen Bedingungen: Für Landbewohner ist es kaum vorstellbar.

Helden der See

Taylor Gibson, ebenfalls Teil der freiwilligen Crew, fasst es schlicht zusammen: „Das war ein anspruchsvoller Einsatz. Wir starteten unsere Rettungsmission im Dunkeln, und es gab viel See. Ich bin sehr froh, dass unsere Casualty und ihr Boot sicher nach Kirkwall zurückgebracht werden konnten. Wir sind bei ihr geblieben, während sie wieder zu Kräften kam."

Für Gibson war es übrigens ein ganz besonderer Einsatz: sein allererster als aktives Crew-Mitglied. Mit 18 Jahren ist er der jüngste einsatzfähige Freiwillige der Station – und bereits die fünfte Generation seiner Familie, die bei der Kirkwall RNLI ehrenamtlich im Einsatz ist...

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