24/05/25

Unglück in Norwegen: Offizier war auf Brücke eingeschlafen

Die norwegische Polizei hat den Zweiten Offizier des Frachters verhaftet, der nahe Trondheim auf Grund lief. Offenbar war er auf der Brücke eingeschlafen.
Unglück in Norwegen: Offizier war auf Brücke eingeschlafen

Wie konnte das denn passieren? Wie war es möglich, dass das Containerschiff „NCL Salten“ in Norwegen mit hoher Geschwindigkeit auf Grund lief - und ein Wohnhaus am Ufer um wenige Meter verfehlte?

Die Ermittlungen zur Havarie des Containerschiffs NCL Salten laufen auf Hochtouren. Wie die Polizei des Bezirks Trøndelag mitteilt, wurde der Zweite Offizier des Schiffes festgenommen. Der ukrainische Staatsbürger war zum Zeitpunkt des Unfalls am frühen Donnerstagmorgen allein auf der Brücke. Er gestand bei der Befragung, eingeschlafen zu sein.

Polizei nimmt Zweiten Offizier fest

Die norwegischen Behörden werfen dem Mann „fahrlässige Navigation“ vor, ein Straftatbestand nach nationalem Seerecht. Demnach muss ein Schiff so geführt werden, dass keine Gefahr für Leben, Umwelt oder materielle Werte entsteht. Die NCL Salten, ein 135 Meter langer Feederfrachter, war gegen 5 Uhr morgens im Trondheimfjord auf Grund gelaufen. Bei ruhiger See und bester Sicht.

Laut AIS-Daten fuhr das Schiff mit etwa 16 Knoten normal in den Fjord ein. An einer vorgesehenen Stelle hätte es eine Steuerborddrehung in Richtung des Hafens von Orkanger machen müssen. Stattdessen fuhr es geradeaus weiter und lief auf Grund.

Die Polizei befragte mehrere Besatzungsmitglieder, sicherte das Bordtagebuch sowie weitere Dokumente und untersucht, ob die gesetzlichen Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten wurden. Auch der Kapitän wurde im Zuge der Ermittlungen vorläufig als Verdächtiger gelistet, wie der zuständige Staatsanwalt norwegischen Medien sagte. Ziel sei es, den genauen Ablauf zu rekonstruieren und die Besetzung der Brücke mit den gesetzlichen Vorgaben abzugleichen.

Schäden am Schiff

Wie geht es nun weiter mit dem Frachter im Vorgarten? 

Die norwegische Küstenverwaltung (Kystverket), die in die Ermittlungen eingebunden ist und die Bergungsmaßnahmen überwacht, berichtet von Schäden am Vorschiff sowie an einigen Ballasttanks. Die Schäden seien zwar nicht gravierend, müssten aber bei der weiteren Planung berücksichtigt werden. In den betroffenen Tanks befindet sich lediglich Meerwasser, ein akutes Umweltrisiko bestehe daher nicht. Dennoch ist ein Spezialschiff zur Bekämpfung von Meeresverschmutzung vorsorglich vor Ort.

Ein erster Versuch, das Schiff noch am Donnerstag freizuschleppen, war gescheitert. Die Küstenverwaltung kündigte an, geotechnische Untersuchungen am Unglücksort durchzuführen, auch wegen des möglichen Zusammenhangs mit einem Hangrutsch.

Die Bergung muss die Reederei organisieren, doch der Plan muss von den Behörden geprüft  werden. Einen konkreten Zeitrahmen gibt es bislang nicht...

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